Bericht zur Exkursion in das Konzentrationslager Sachsenhausen

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Am 12.02.2014 haben wir, die Klasse 10d des Herder-Gymnasiums, das Konzentrationslager Sachsenhausen besucht, um den Geschichtsunterricht zu ergänzen. In Zusammenhang mit dem Thema „2. Weltkrieg“, wurde die Exkursion Monate zuvor beschlossen.

Begonnen hatte die Fahrt am S-Bahnhof Friedrichstraße, wo wir uns um ca. 10.20 Uhr trafen. Von dort aus mussten wir die S-Bahn Richtung Oranienburg nehmen und bis zur Endstation fahren. So gab es die Gelegenheit für mich, einige Gedanken über diese Exkursion beziehungsweise speziell über das KZ zu bilden. Eine gewisse Vorahnung hatte ich bereits, wie es dort sein soll. Jedoch werden diese Informationen jemanden meist sachlich und zum Teil auch ohne große Emotionen vermittelt. Dieser Wandertag es ermöglichte mir, persönlich ein Konzentrationslager zu besichtigen und auch mir eine eigene Meinung darüber zu bilden. Von der Endhaltestelle Oranienburg ging es mit dem Bus, Richtung Sachsenhausen, weiter. Mir fiel schon relativ früh die Trostlosigkeit im Lande auf. Unterwegs, im letzten Stück des Weges, beobachtete ich die dahinziehenden eintönigen Häuser. So stellte ich mir die Frage: „Wie mussten sich die Bewohner an einem Konzentrationslager fühlen beziehungsweise gefühlt haben?“ Schließlich angekommen war ich recht überrascht, wie das Eingangshaus oder gar der Eingang aussah. Es schien relativ neu und hatte keinen Anschein an einem Ort des Menschenhass. Unsere Geschichtslehrerin gab uns die großzügige Möglichkeit, uns auf dem Gelände des Konzentrationslagers umzuschauen. Neugierig machten wir uns auf den Weg. Die einladende Eingangshalle hinter uns gelassen, wirkte die Umgebung immer kälter. Die an der Wand aufgehängten Fotografien von sämtlichen Szenen im KZ gaben erschütternde Eindrücke vom Alltag der Gefangenen. Durch den Haupteingang, auch Turm A genannt, ging es in den Kern des Lagers. Sofort stach mir das große Denkmal für die politischen Häftlinge ins Auge. Jedoch standen erstaunlicherweise auf dem Gelände weniger Gebäude, als ich erwartet hatte. Es gab vereinzelt Baracken. Nach einer Stunde der Besichtigung fing schließlich die Führung an. Sie begann damit, dass uns zwei Frauen in einem großen Raum, im Eingang, eine Diashow über das Konzentrationslager Sachsenhausen vorführten, einschließlich der Kreisstadt Oranienburg. Sie gaben uns sehr informative Fakten über dessen beziehungsweise deren Entwicklung. Weiter ging es mit der eigentlichen Rundführung auf dem Gelände.

Wir begaben uns auf denselben Weg, wie ein Häftling nach seiner Ankunft. Zwischendurch hielten uns die Leiter an und gaben an bestimmten Stellen Fakten und Informationen. Hinter dem Turm A aufgestellt, berichteten sie von der "Neutralen Zone" vor der eigentlichen Mauer. Die SS-Männer durften Inhaftierte ohne Vorwarnung erschießen, falls sie die Zone betraten. Dies galt sozusagen als Ausbruchsversuch. Manche Soldaten machten sich einen Spaß daraus und schmissen zum Beispiel die Mütze eines Inhaftierten auf diese Zone. Dieser wiederum musste seine Mütze holen, weil erstens man keine Kleidungsstücke „verlieren“ und zweitens man einem SS-Mann seinen Befehl nicht verweigern durfte. So gab es so gut wie keine Chance für denjenigen auf sein Weiterleben. Die SS-Männer bekamen sogar eine Belohnung dafür, wenn sie einen Fluchtversuch verhinderten. Für mich war das unbegreiflich. Darüber hinaus zeigten die Frauen uns einen Marschweg mit verschiedenen, mit Steinen ausgelegten Böden. Dieser diente für die Untersuchung verschiedener Schuhmaterialien von verschiedenen Herstellern. Den Weg mussten Häftlinge entlang rennen und laufen und legten somit fast einen Marathon an einem Tag zurück. Eine weitere Besichtigungsstation waren die heruntergekommenen Baracken. Der Aufbau einer solchen Baracke war schauderhaft. Die Betten waren zu klein und in großer Zahl aneinander gereiht und die Toiletten und Waschbecken unzumutbar. Doch als ich erfahren habe, wie viele Häftlinge in so einer Baracke gehaust haben, wurde mir klar, wie schrecklich die Verhältnisse waren. Die Sanitätshütte sprachen die Frauen auch kurz an. Diese wurden eher für Experimente an Menschen gebaut als für die medizinische Versorgung. Danach ging es kurz zum Denkmal für die politischen Inhaftierten und dann in ein „kleines Museum“. Die Frauen stellten uns zwei Ausstellungstücke vor, ein Foto und eine Genickschussanlage. Auf dem Foto sah man eine Menschenmasse vor dem Turm A. Die Häftlinge standen gut gekleidet und mit frohen Gesichtern zur Morgenzählung. Dieses Bild diente jedoch zur Propaganda und unterschied sich gewaltig von der Realität. Die Genickschussanlage war als ein Messgerät für die Körpergröße getarnt. So gab es unter den Inhaftierten keinen Verdacht auf eine Tötungsanlage. Schließlich kamen wir zur letzten Station unserer Führung, den Krematoriumsöfen. Diese waren zwar nicht ganz erhalten geblieben, aber allein beim Anblick konnte ich mir schon vorstellen, wie es dort von statten ging. Ein Ort, welcher darauf spezialisiert war, Gefangene effizient zu töten und zu entsorgen. Nach der Führung traten wir nun den Weg nach Hause an. Gemütlich in die S-Bahn hingesetzt, gingen mir noch einmal die ganzen Bilder an meinen Augen vorbei. Bis zum Ende des Tages versuchte ich diese in meinen Gedanken zu verarbeiten. Ich wusste, diese Exkursion würde mir noch eine lange Zeit in Erinnerung bleiben.

Letztendlich kann ich nur sagen, dass sich der Besuch im Konzentrationslager Sachsenhausen gelohnt hat. Der Unterschied zwischen den vorgesetzten Informationen in Lehrbüchern und das hautnahe da sein war doch größer, als ich vermutet hatte. Die zahlreich gut beschriebenen Informationen und Fakten der beiden Frauen gaben der Führung das Bedeutsame etwas.

Von Ertan Erdogan