18. AYPT in Leoben

Vom 30. März bis zum 02. April 2016 hat das 18. AYPT (Austrian Young Physicists‘ Tournament) in Leoben stattgefunden. Das AYPT ist das österreichische Pendant zum GYPT, also dem Auswahlwettbewerb für die Königsdisziplin, das IYPT (International Young Physicists‘ Tournament). Ende Februar wurde ich mit neun weiteren SchülerInnen in das deutsche Nationalteam berufen. Jeweils fünf SchülerInnen dieser Nationalauswahl nehmen dann am AYPT bzw. IYPT teil.

Im Gegensatz zum GYPT findet das AYPT nach dem umfangreichen und äußerst verwirrenden internationalen Regelwerk statt. Um es abzukürzen: Es treten drei Teams aus je fünf SchülerInnen gegeneinander in sog. „Fights“ an. Jeder Fight besteht aus drei „Stages“ in denen jedes Team einmal jede Rolle hat: Reporter (12 min Vortrag über eines der 17 Probleme), Opponent (ca. 4 min Vortrag über den Report, danach 10 min Diskussion über das Problem und dessen Lösung mit dem Reporter), Reviewer (4 min Vortrag mit Zusammenfassung und Wertung des Reports und der Oppositon). Bei einer nicht durch drei teilbaren Anzahl an Teams gibt es noch die vierte Rolle des Observers.

Die Opponent- und Reviewer-Teams tippen die jeweilige Präsentation während des Fights mit. Dies führt regelmäßig zu kuriosen orthographischen Verirrungen und technischen Problemen, insbesondere dadurch, dass die offizielle Sprache Englisch ist.

Anschließend kommt der unserer Meinung nach schlimmste Teil: fünf Minuten Fragen einer Fachjury. In diesen fünf Minuten werden sowohl Reporter als auch Opponent und Reviewer auf physikalisches Fachwissen getestet. Mit einer guten Antwort kann man die Jury noch einmal von sich überzeugen, genauso aber kann eine falsche Antwort ziemlich Punktabzüge geben, selbst wenn der Teil davor gut war. Dann erfolgt die Punktevergabe durch die Jury, wobei Punkte von 0 bis 10 vergeben werden können. Die Punkte, die man als Reporter bzw. Opponent erhält, werden jeweils mit 3 respektive 2 multipliziert.

Alles in allem dauert ein Fight gut drei Stunden, bei vier Teams sogar gute vier. Es finden insgesamt drei „Selective Fights“ und dann natürlich der vierte Fight, das Finale, statt.

Zusammen mit Dominika Stronczek, Charlotte Lange, Auguste Medert, Thomas Rauch, sowie den Teamleadern Michael Steck und Felix Wechsler war ich also am letzten Wochenende in Leoben, Österreich. Insgesamt 14 Teams haben am 18. AYPT teilgenommen, unter anderem noch ein weiteres aus Deutschland (Rosenheim). Unser Gastgeber Österreich war mit drei Teams (Wien, Salzburg, Freiburg) am Start.

Am Donnerstag, den 30. März sind wir nachmittags angekommen, danach ging es direkt weiter zur Opening Ceremony, an der Montan Universität, mit Auslosung der Fights. Teamcaptain Dominika hat dann auch tatsächlich das Los mit der Nummer Eins gezogen. Abends Besprechung im Hotel und dann verhältnismäßig früh ins Bett, schließlich sollte der erste Fight um neun Uhr beginnen.

Etwas aufgeregt, aber wenigstens halbwegs ausgeschlafen, betraten wir am nächsten Morgen den Raum unseres ersten Fights: Unsere ersten Gegner waren die Teams aus Wien, Iran und Voronegh (Russland). Ich habe als erstes das Problem Nr. 4 „Super Ball” vorgetragen, danach hat Charlotte Nr.1 „Invent yourself” reviewt und schließlich opponierte Auguste gegen Nr.17 „Crazy Suitcase”. Nach dem ersten Fight waren wir tatsächlich das beste Team.

Anschließend eine kurze Mittagspause, dann ging es weiter, mit dem zweiten Selective Fight gegen Iran und Slowenien. Nachdem wir auch diesen Fight gewonnen hatten und mit knapp acht Punkten mehr als dem Zweitplatzierten Gymansium Jura Hronca aus der Slowakei in Führung lagen, hofften wir darauf, es ins Finale zu schaffen. Außer Dominika war noch keiner von uns je bei einem internationalen Physik-Wettbewerb gewesen.

Am Abend waren alle Teilnehmer beim Grillabend, wo wir mit anderen Teams und ehemaligen IYPTlern, insbesondere dem aus Wien, einen amüsanten und nach den Anstrengungen des Tages sehr erholsamen Abend verbrachten.

Der dritte Fight am nächsten Morgen fühlte sich beinahe routiniert an: Der Ablauf war bekannt, der größte Teil der Nervosität war verflogen, die Atmosphäre im Team entspannt(er), so dass wir uns darauf konzentrieren konnten, diesen letzten Selective Fight mit möglichst vielen Punkten abzuschließen, um ins Finale zu kommen.

Beim Mittagsessen stand es dann fest, Team Germany Bad Saulgau ist mit 139,3 Punkten Tabellenführer und damit im Finale. Obwohl das nicht mehr allzu überraschend kam, freuten wir uns riesig, aber auch die Nervosität kehrte schlagartig zurück. Schließlich fand das Finale im großen Saal der Montan Universität vor allen Teams, Teamleadern und Juroren statt. Viel Zeit zur Vorbereitung und zum Essen blieb uns auch nicht: Schon anderthalb Stunden später begann das Finale.

Die anderen beiden Teams im Finale waren Weißrussland und Moskau. All unseren Bedenken zum Trotz, schafften wir es, das Finale zu gewinnen, und das sogar mit einem ansehnlichen Vorsprung (Deutschland 50,6; Belarus 38,8; Moskau 36,8). Besonders überzeugen konnte dieses Mal Auguste Medert, die für ihren Report über das Problem Nr. 16 “Frisbee Vortices” unglaubliche 8,7 Punkte erhielt. Damit hat Auguste es tatsächlich doch geschafft Waleed El-Kishawi zu überholen, der im Vorjahr für seinen Report 8,62 Punkte bekommen hatte.
Alles in allem hat sich die harte Vorbereitungszeit ausgezahlt. Deutschland ist bei nur zwei Teilnahmen zum zweiten Mal in Folge Sieger des AYPT.
Es fühlt sich ziemlich gut an zu gewinnen, aber es wäre auch so eine tolle Zeit gewesen. Ich kann allen jetzigen und zukünftigen PhyZlern nur raten: Nehmt am GYPT teil, es lohnt sich - in jeder Hinsicht.

Anja Dücker