Exkursion zum Dorotheenstädtischen Friedhof

Brechts Grab

Der Dorotheenstädtische Friedhof liegt etwas versteckt inmitten eines Häuserblockes an der Chausseestraße in Berlin-Mitte, direkt neben dem Französischen Friedhof. Auch Bertolt Brechts ehemaliges Wohnhaus, die heutige Brecht-Weigel-Gedenkstätte, liegt Wand an Wand mit der Friedhofsmauer; es war Brechts Wunsch gewesen, auf den Friedhof mit seinem dichten Baumbestand blicken zu können. Ebenso war es sein Wunsch, auf eben diesem Friedhof begraben zu werden. Letzteres wurde in Brechts Todesjahr 1956 erfüllt, dabei verdient Brechts Beerdigung eine besondere Betrachtung: Aus Angst, im Falle eines Scheintods bei lebendigem Brechts Grab Leibe begraben zu werden, verfügte er vor seinem Tode, dass man ihm vor seiner Beerdigung mit einem Messer ins Herz stechen solle. Dem wurde ebenso Folge geleistet wie seinem Willen, in einem Zinksarg beerdigt zu werden, was Brecht aus Angst, von Maden „gefressen“ zu werden, veranlasste. Auf seinen Wunsch hin wurde während der Beisetzung nicht gesprochen. Als Bertolt Brechts Ehefrau Helene Weigel 1971 starb, wurde sie neben ihrem Mann in einer gemeinsamen Grabstätte beerdigt. Diese ist heute eine der Ehrengrabstätten des Landes Berlin. Auf dem Friedhof befinden sich jedoch noch viele weitere Ehrengräber berühmter Berliner Persönlichkeiten, darunter Hanns Eisler (mit dem auch Brecht zusammenarbeitete), Karl Friedrich Schinkel, Friedrich August Stüler, Johann Gottfried Schadow, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, sowie die Grabstätte der Familie Borsig und das Ehrengrab Johannes Raus. Mit einer Gedenkstätte wird an mehrere Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus erinnert, unter anderem Hans von Dohnanyi und Dietrich Bonhoeffer. Direkt gegenüber befindet sich ein Gemeinschaftsgrab für einige in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges Getötete. Der Friedhof zeichnet sich durch eine außergewöhnlich kunstvolle Gräberarchitektur aus. So sind viele der aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gräber mit kunstfertig gearbeiteten schmiedeeisernen Zäunen oder gusseisernen Kreuzen aus der Königlichen Eisengießerei Berlin verziert. Einige Gräber wohlhabender Familien oder Einzelpersonen muten mit ihrem klassizistischen Säulenschmuck wie antike Tempel an. Auch moderne Kunst sowie Büsten und Statuen der Begrabenen sind an den Gräbern häufig zu finden. Aufgrund seiner Lage inmitten der Stadt überrascht es, dass auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof überhaupt eine so andächtige und friedfertige Stille entstehen kann. Auch deshalb lohnt sich ein Besuch durchaus.(Karl Müller, 1. Semester)

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