Physik Kursfahrt Genf

Freitag (10.08.2012):
Am 10. August 2012 war es endlich soweit, nach langer und sorgfältiger Planung standen wir (Herr Köstler und Herr Krieger, gefolgt von 12 Schülern der Physik-Leistungskurse des 3. Semesters) nun am Anfang unserer, mit so großer Spannung erwarteten, 6-tägigen Pilgerfahrt zum Mekka der Physik, dem CERN.
Frisch und munter, auch wenn das äußere Erscheinungsbild des einen oder anderen etwas anderes sagte, versammelten wir uns um 7:20 am Terminal A des Flughafens Berlin-Schönefeld. Bereits 5 Stunden später, nach einem easy Flug mit EasyJet, fanden wir uns bei 31°C in der 878 km von Berlin entfernten Innenstadt von Genève wieder, die am südwestlichen Rand der französischsprachigen Schweiz liegt.
Nachdem das Geneva Youth Hostel gefunden und die Zimmer bezogen waren, ging es sofort auf zur ersten Erkundung Genfs. Bereits nach wenigen Gehminuten vom Hotel aus bot sich uns ein wunderschöner Ausblick auf den Genfer See, die nahen Alpen mit dem Mont-Blanc-Massiv und den Dents du Midi im Hintergrund. Nach einem Spaziergang durch die nette Genfer Altstadt nahm unser Anreisetag ein ruhiges Ende.
Samstag (11.08.2012):
Unser erster richtiger Tag begann mit den ersten Sonnenstrahlen beim gemeinsamen Frühstück in der Jugendherberge. Nachdem das Organisatorische geklärt und die zweite Tasse Kaffee geleert war, machten wir uns voller Erwartungen mit der Straßenbahn auf den Weg zum CERN. Es stand zunächst der Besuch der CERN-Ausstellungen „Universe of particles“ und „Microcosm“ an. Am CERN angekommen wurden wir auch schon von Nikolai Schwerg, einem ehemaligen Schüler des Herder-Gymnasiums erwartet. Nikolai Schwerg kam schon als Student zum CERN und arbeitet dort mittlerweile als promovierter Elektrotechniker. Wir erhielten von ihm eine sehr persönliche Führung durch die Ausstellungen, wobei er uns mit dem nötigen Hintergrund- und Insiderwissen versorgte. Herzlichen Dank nochmal an dieser Stelle an Nikolai!
Nachdem unser erster großer Wissensdurst nach Physik gestillt war, ging es zurück in die Innenstadt von Genf, wo es auf der „Fêtes de Gèneve“ neben viel Sonne, Musik und allerlei Essen auch Flugshows des Breitling Jet Teams zu sehen gab.
Zum Abend hin versammelten wir uns dann alle noch einmal zusammen mit dem Rest der Stadt zum „Le grand feu pyromélodique“ um den Genfer See und ließen bei einem knapp 2-stündigen Feuerwerk mit Musik unseren ersten richtigen Tag mit einem lauten Knall enden.
Sonntag (12.08.2012):
Auch der Sonntag begann wie der Tag zuvor - noch ehe der Hahn gekräht hatte - mit einer Tasse Kaffee oder Tee. Der Gipfel des heutigen Tages lag wortwörtlich in weiter Ferne.
Nach dem wir am Vortag bereits tief in die Materie der Kernforschung eingetaucht waren, entschieden wir uns, das gesammelte Wissen bei einer Wanderung auf den Mont Salève – dem Genfer Hausberg - zu verdauen.
Nach gefühlten 8 Stunden, Berg auf Berg ab, durch Wald und Wiesen, bei gefühlten 50°C erreichten wir den Gipfel. Erschöpft und sichtlich erleichtert, über den glücklichen Umstand einer Seilbahn, die unseren späteren leichteren Abstieg und das Erreichen der Jugendherberge noch vor Sonnenuntergang gewährleistete, ließen wir uns auf einer Wiese nieder. Oberste Devise war nun tief durchzuatmen, sich zurück zu lehnen und die wirklich atemberaubende Aussicht über Genf und Umgebung zu genießen.
Zurück in Genf ließen wir den Abend entspannt bei einem Malzbier oder einer Apfelsaftschorle ausklingen … um sich auf den morgigen CERN-Besuch, bei dem Führungen ins Innerste des Forschungszentrums anstanden, vorzubereiten. (Tobias Zeisler)
Montag (13.08.2012):
Am Montag haben wir das zweite Mal den CERN besucht. Den ersten Teil am Vormittag unserer ausführlichen Führung übernahm eine Kollegin von Nikolai Schwerg, die ebenfalls eine Berlinerin ist und mittlerweile als Physikerin am CERN arbeitet. Sie hatte mit einer spannenden Powerpoint-Präsentation angefangen und uns vor den eigentlichen Führungen mit einigen Informationen zum CERN, die uns insbesondere als Physiker sehr beeindruckt hatten, versorgt. Danach führte sie uns zum ATLAS-Detektor. Im Gebäude über dem Detektor konnten wir die Wissenschaftler im Kontrollraum beobachten. Man konnte beim Blick in den Kontrollraum auf einem Beamer-Bild ablesen, dass der LHC bzgl. der Protonen-Energie gerade mit einer Energie von 60 GeV betrieben wurde.
Den zweiten Teil der Führung am Vormittag übernahmen zwei nette Herren, die am CMS-Detektor auf uns warteten. Da wir uns bis dahin am ATLAS aufgehalten hatten, mussten wir mit dem Bus die Distanz des Durchmessers des LHC überwinden. Ungefähr 15-20 Minuten später waren wir dort und sahen dort den gesamten Detektor.
Leider war das nur ein Plakat des originalen CMS-Detektors, da dieser im Betrieb stand. Danach zeigten uns die beiden Herren den CMS-Kontrollraum. Als wir dann wieder zurück am ATLAS waren, genossen wir auf der CERN-Terrasse ein gutes Mittagessen des CERN-Restaurants. Nach der Mittagspause übernahm Nikolai Schwerg die Führung und zeigte uns dann die spannenden Sachen wie zum Beispiel einen Querschnitt des Teilchenbeschleuniger-Rohres mit den supraleitenden Magneten, mit denen er sich beschäftigt. Natürlich hat er uns auch in die höhere Physik eingewiesen.
Dienstag (14.08.2012):
Am vorletzten Tag gab es eine gelungene Abrundung unserer Fahrt und zwar etwas abseits der Physik haben wir uns den Palais des Nations der UNO angeschaut und außerdem das Geburtshaus des bedeutenden Philosophen Jean-Jacques Rousseau. Im Palais des Nations haben wir den kunstvoll errichteten Konferenzraum aus der 1. Reihe beobachtet. Zu unserem Glück fand gerade eine Sitzung zur Menschenrechtsproblematik statt und wir konnten den Vertretern der einzelnen UNO-Staaten bei ihren Beratungen zuschauen.
Im Geburtshaus von Jean-Jacques Rousseau haben wir uns mit einem Audio-Guide über dessen Denkweisen weitergebildet. Anschließend hatten wir wieder Freizeit und konnten den Abend in Genf selbstständig gestalten.
Mittwoch (15.08.2012):
Am letzten Tag hieß es dann Abschied nehmen von der wundervollen und sehr kulturellen Stadt Genève und natürlich vom Teilchenbeschleuniger CERN. Am Vormittag konnte das jeder auf seine eigene Art und Weise tun, indem wir Zeit für die letzten Erledigungen bekommen haben. Obwohl der eine oder andere tief in die Tasche greifen musste, schmerzte der Abschied schon sehr.Um ca. 14:00 Uhr konnten wir Genève nur noch aus der Luft betrachten und konnten um ca. 16:00 Uhr unseren Familien in Berlin von unserem Aufenthalt berichten.
Moritz Deckert
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„Solange die Menschen nicht die törichte Vermessenheit aufgeben, sie können dem Gange der Natur Trotz bieten und als überirdische Wesen die Gesetze derselben ändern, solange verfolgt und ereilt sie billig ihr Schicksal.“
Johann Gottfried Herder