Exkursion zur Brecht-Weigel-Gedenkstätte

Auch Dichter zeigen manchmal Unternehmergeist. So machte der damals schon relativ prominente Dichter Bertolt Brecht, als er ein Auto brauchte, mehreren Automobil-Konzernen ein Angebot: Für ein Auto würde er ein Werbegedicht schreiben. Die österreichische Automarke Steyr ging auf diesen Handel ein und so entstand das Lied von den „Singenden Steyrwägen“. Brecht erhielt das versprochene Auto, nur hatte er nicht lange Freude daran; schon ein Jahr später kam er von der Straße ab und fuhr gegen einen Baum. Das Auto war ein Totalschaden, Brecht überstand den Unfall jedoch unbeschadet. Und clever wie Brecht war, ließ er sich noch an der Unfallstelle vor dem stark deformierten Wagen fotografieren und schrieb dazu: „In diesem Wagen überlebt man alles!“ Für diese Werbung erhielt Brecht gleich ein neues Auto, das er bis zu seiner Zeit im Exil behielt.

Diese ist nur eine der Anekdoten, die man uns, dem Deutsch-Grundkurs im 1. Semester, am 23.11.2012 bei der Führung durch die ehemalige Wohnung von Bertolt Brecht und Helene Weigel, erzählte. Die Brecht-Weigel-Gedenkstätte befindet sich in der Chausseestraße 125 unmittelbar neben dem Dorotheenstädtischen Friedhof, auf dem Schriftsteller, Komponisten, Schauspieler und andere berühmte Persönlichkeiten ihre Grabstellen haben.

Schon Bertolt Brecht empfand die Nähe zum Friedhof als sehr atmosphärisch und ließ deshalb sogar ein kleines Fenster in sein Badezimmer einbauen, wie wir bei der Führung durch das Gebäude erfuhren. Zuerst besichtigten wir das Wohnzimmer, in dem ein großer Teil der 4220 Bücher Brechts, die fast alle mit Notizen versehen sind, stehen.

Die sehr kompetente Führerin gewährte uns auf kurzweilige Art und Weise einen Einblick in Brechts Leben, Werk und Charakter und lenkte unseren Blick auf die besondere Einrichtung der Wohnung. Brecht liebte die ostasiatische Kunst und Kultur, die sich deshalb auch in den Räumen seiner Wohnung wiederfindet. Die etwa 30-minütige Führung umfasst auch die Wohnung Helene Weigels, Brechts Ehefrau, die reichlich mit Porzellan ausgestattet und auch sonst sehr interessant anzusehen ist.

Insgesamt waren wir mit der Führung und den teils sehr komischen Anekdoten, die man uns erzählte, sehr zufrieden und können einen Besuch der Brecht-Weigel-Gedenkstätte nur weiter empfehlen.