Mission Completeness Award 2014
Bericht vom ZeroRobotics-Finale in Noordwijk
Das ZeroRobotics Team „Herder-Berlin“ – bestehend aus Jochen Jacobs, Niklas Schelten, Leo Hackel, Alexander Bender, Florian Suhre, Tassilo Scheffler und Michael Brunklaus – hat eine interessante zweitägige Wettbewerbsfahrt zum Final-Event des 2014er-ZeroRobotics-Wettbewerbs ins ESA-Zentrum ESTEC in Noordwijk südwestlich von Amsterdam erlebt.
Das Team „Herder-Berlin“ vor dem ISS-Modul Columbus
Das Team „Herder-Berlin“ hatte zusammen in einer Allianz mit dem italienischen Team „Proxima Centauri“ aus Livorno und dem Team „The Quark Charm“ aus den USA in Branchburg (New Jersey) ein Programm entwickelt, welches bei den Final-Spielen auf der ISS in der Vorrunde das erste Spiel zwar gewinnen konnte, aber durch ein verloren gegangenes Spiel sich dann leider nicht mehr für das Halbfinale auf der ISS qualifizieren konnte.
Nach den Spielen im Orbit auf der ISS wurden die Programme mit denselben Parametern wie im Orbit auf der ISS in der Simulationsumgebung aber nochmal zwischen allen Allianzen der Finalveranstaltung zur Ausspielung des Mission Completeness Award gegeneinander gespielt. Die Auswertung ergab dann, dass unsere Allianz „ProximaQuarkHerder“ bezüglich der diesjährigen Missionsziele – möglichst viele Fotos von interessanten Punkten (POIs) auf einem Asteroiden zu machen und hochzuladen bei gleichzeitig bestmöglichstem Schutz vor Sonnen-Eruptionen im Schatten des Asteroiden – in der Simulationsumgebung die meisten Punkte erkämpfen konnte. Die Wettbewerbsleitung entschied damit, dass dieser Sonderpreis unserer Allianz verliehen wird. Dies ist ein toller Erfolg, der zeigt, dass das Programm unserer Allianz bzgl. der Missionsziele gut durchdacht war und in den Finalspielen im Orbit auf der ISS mit etwas Glück auch mehr zu erreichen gewesen wäre. Herzlichen Glückwunsch an das Team und unsere Allianzpartner zu dieser Anerkennung!

Zwei SPHERES-Satelliten erforschen einen Asteroiden in der Simulations-Umgebung
Die Finalreise war für die Schüler eine tolle Belohnung für das selbstständige Einarbeiten in die Software-Schnittstelle für die SPHERES-Satelliten und das eifrige Programmieren eines Codes, der diese Satelliten zunächst in der Simulationsumgebung und dann bei der Finalveranstaltung auf der ISS steuern sollte. Nachdem am frühen Donnerstag-Morgen (15.1.2015) der Flug nach Amsterdam genommen wurde, war es zunächst der Wunsch des Teams das 3D-Print-Haus in Amsterdam zu besichtigen, auch weil man sich Anregungen für den 3D-Drucker im Herder-Gymnasium holen wollte. Am Freitag (16.1.2015) – dem Finaltag – hatte ESA ein sehr interessantes Rahmenprogramm organisiert: eine Führung durch das Erasmus Centre mit Robotern auf einem marsähnlichen Gelände, Satelliten in Originalgröße, ein Vortrag mit einer dreidimensionalen virtuellen Führung durch die ISS, ein Vortrag „Telerobotics und haptics“ von Andre Schiele, ein Vortrag „Rosetta Mission“ von Matt Taylor, ein Vortrag „OSIRIS REX“ von Dante Lauretta und ein Spaß-Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer bunt in internationale Teams gemischt wurden, man sich schnell in eine Steuerungssoftware für LEGO-Roboter einarbeiten musste, die man ohne direkten Sichtkontakt auf einer marsähnlichen Oberfläche auf einen kleinen Hügel steuern sollte, um dort Temperaturmessungen vorzunehmen. Der Spaß-Wettbewerb erzeugte ein ziemliches Gewusel im Saal, zeigte aber in komprimierter Form, was die ESA-Mitarbeiter bei internationalen Raumfahrt-Projekten in ähnlicher Weise bewerkstelligen müssen – sich über Sprachgrenzen hinweg mit zeitlicher Begrenzung in komplizierte Probleme so einarbeiten, dass am Ende eine erfolgreiche Raumfahrt-Mission herauskommt.
Ein marsähnliches Roboter-Testareal
Beim eigentlichen Finale – das Spielen der Allianz-Programme im Orbit auf der ISS – war es beeindruckend zu sehen, wie die Programme der Schüler – von den ISS-Astronauten zu den Satelliten geschickt – die Satelliten in der Schwerelosigkeit tatsächlich sinnvoll steuern konnten. Zunächst gewann dann unsere Allianz das erste Spiel. Dass das zweite Spiel unserer Allianz verloren wurde, war schade, aber der Erfolg beim Finale im ESA-Zentrum in Noordwijk mit dabei gewesen zu sein, überwog die kurzfristige kleine Traurigkeit.
Blick ins Raumfahrtmuseum im Erasmus-Gebäude (ESTEC)
Am Abend fand im äußerst edlen Hotel „Huis Ter Duin“ ein Dinner mit der Preisverleihung statt, bei dem auch der ESA-Astronaut Paolo Nespoli aus seinem Leben als Astronaut erzählte. Nach dem Dinner-Ende ließ es sich das Team „Herder-Berlin“ nicht nehmen, nochmal kurz im Dunkeln zum Strand zu laufen und ein „Selfie“ mit der erkämpften ZeroRobotics-Plakette und der dunklen Nordsee im Hintergrund zu schießen.
Das Team „Herder-Berlin“ am nächtlichen Nordseestrand bei Noordwijk
Die erkämpfte ZeroRobotics-Plakette
Als betreuender Lehrer kann ich sagen: Der ZeroRobotics-Wettbewerb zeigt, was möglich ist, wenn sich Schüler außerhalb vorgegebener Unterrichtsthemen selbstständig mit einer Aufgabe beschäftigen können. Dieses Jahr konnten vor allem die Team-Leader Jochen Jacobs und Niklas Schelten, die vor zwei Jahren den ESA-Gesamtsieg mit dem Team „Herder-Berlin“ in Noordwijk erkämpfen konnten, ihr Wissen an die Neuen weitergeben. Klasse Leistung – vielleicht hören wir demnächst von gleichnamigen Satelliten-Programmierern bei der ESA oder von weiteren ZeroRobotics-Erfolgen des Teams „Herder-Berlin“!
A. Köstler (23.01.2015)
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