Schülerfahrt nach ChinaEin Reisebericht
Die Schüler/innen des Herder-Gymnasiums haben die Möglichkeit – in Zusammenarbeit mit der Lily-Braun-Oberschule in Spandau –, Chinesisch als 3.Fremdsprache zu wählen. Seit 1995 unterhält die Spandauer Schule eine Schulpartnerschaft mit der 19. High School, Haidian, Peking, führt in diesem Rahmen regelmäßige Fahrten nach China durch bzw. empfängt im Gegenzug auch die chinesischen Gastlehrer/schüler/innen in Berlin.
Im Herbst 2011 war es wieder soweit: eine kleine Delegation von 3 Schüler/innen, 2 Lehrerinnen der Lily-Braun-Oberschule und 1 Schülerin, 1 Schüler einer 10.Klasse und einer Lehrerin des Herder-Gymnasiums fuhren vom 23.09. - 14.10.2011 nach China.
Wir würden an dieser Stelle gerne unsere Eindrücke mit Ihnen teilen: Auf dieser Reise erhielten wir einen kleinen Einblick in das chinesische Schulleben, widmeten uns wichtigen touristischen Sehenswürdigkeiten und nahmen z.T. am Familienleben teil.
Die 19.Pekinger High School hat derzeit über 2000 Schüler/innen. Auf einem Rundgang durch die Schulgebäude fiel uns vor allem die sehr gute Ausstattung der Klassenzimmer aus (Smartboards etc.), ein gewaltiger Mensabetrieb, den wir mehrfach testen konnten und eine Einrichtung, die uns besonders fasziniert hat: eine Art Sozialstation, in der sich Schüler/innen bei Konfliktsituationen oder in persönlichen Krisen beraten lassen konnten. Es werde Wert gelegt auf eine positive Grundeinstellung zum Lernen und Leben, erklärte man uns. Ungewohnt für uns war ebenfalls der allwöchentliche Fahnenappell, an dem wir zweimal teilgenommen haben.
Die Schule gab uns die Möglichkeit, an einigen Unterrichtsstunden teilzuhaben- z.B. am Kalligrafie-Unterricht, Sport, Chinesisch für Anfänger. Einzelne Kollegen und Kolleginnen begleiteten uns auf unseren Ausflügen in Peking und auch auf einer 10-tägigen Inlandsreise. Man hat uns wirklich sehr herzlich hier aufgenommen und – besonders uns Lehrerinnen wiederholt zum Essen in einige der wunderbaren Restaurants der Stadt eingeladen, wir konnten außerdem im Internat der Schule wohnen.
Unternehmungen in Peking
- Besuch des Sommerpalasts – einem riesigen Areal, das für die chinesischen Kaiser als Sommerresidenz nach dem Vorbild südchinesischer Landschaften errichtet wurde
- Besuch des tibetischen buddhistischen Lama-Tempels
- Verbotene Stadt , dem beeindruckenden Palastkomplex der chinesischen Kaiser, vielleicht bekannt aus dem Bertolucci-Film „Der letzte Kaiser“
- wunderschöne Parkanlagen, wie im Bei Hai -Park, in dem sich Pekinger Pensionäre mit Tanz, Wasserkalligrafie, Musik etc. sehr gesellig die Zeit vertreiben
- dem Besuch der Großen Mauer, die sich nördlich von Peking wie ein Drache durch die Berge schlängelt
- der Himmelstempel, in dem die Kaiser in aufwändigen Opferzeremonien für eine reiche Ernte gebetet haben; hier befindet sich auch – angeblich (?) – der Mittelpunkt der Welt, aber was kann man vom Reich der Mitte auch anderes erwarten!
- Aber auch modernere Sehenswürdigkeiten wie z.B. das Olympiastadion, einige Shopping-Center, der Flughafen, moderne Bahnhöfe galt es zu bestaunen: besonders attraktiv vielleicht der Schnellzug, der uns mit 306 Stundenkilometer nach Shanghai gebracht hat, der erstem Station unserer Inlandsreise. Der sehr viel langsamere Nachtzug, den wir für die Rückfahrt nahmen, hatte aber auch einen gewissen Charme.
Aufenthalt in Shanghai
Herzlicher Empfang an einer High School: Gespräche über den Aufbau eines möglichen Schüleraustauschs
- Auch hier gab es ähnliche Bedingungen wie in Peking: sehr interessierte Kollegen und Kolleginnen sowie Schüler/innen, nachhaltige Begegnungen
- Besuch des Expo-Geländes von 2010: der China-Pavillion mit Visionen der Vergangenheit und vor allem Zukunft des Landes
- Shanghai-Museum: einem sehr aufschlussreichen Museum über chinesische Kunst und Geschichte mit Beispielen der Kalligrafie-Kunst, der Entwicklung des Porzellans, usw.
- der sogenannten „Bund“ mit der – vor allem abends – atemberaubenden Skyline von Shanghai
- das ehemalige „Chinesen-Viertel“, das inzwischen wieder aufgebaute Altstadviertel, in dem zur Zeit, als Shanghai in verschiedene internationale Bezirke aufgeteilt war, vor allem die Chinesen selbst wohnten
- Die Schüler/innen begeisterten sich vor allem für die Nanjing Lu (Road), in der man nicht nur bei Starbucks Kaffee trinken konnte, sondern auch alle möglichen Schnäppchen in zahlreichen Geschäften machen konnte. Schließlich ist Shanghai nicht umsonst das Geschäftszentrum China
Inlandsreise
Anschließend führte uns die Reise in zwei sehr berühmte Städte Chinas, von denen man Folgendes behauptet: „Im Himmel gibt es das Paradies, auf Erden haben wir Souzhou und Hangzhou“.
In Souzhou, der Stadt der Gärten, am Kaiserkanal gelegen, reich geworden durch den Handel mit Seide und anderen Kostbarkeiten, bewunderten wir eine Klosteranlage und den Garten eines reichen kaiserlichen Beamten.
In Hangzhou unternahmen wir eine Schiffsreise auf dem Westsee, der – malerisch von Bergen umrahmt- an einen See in der Schweiz erinnert, wären da nicht die allgegenwärtigen Hochhäuser! Abends gab es am Ufer dieses Gewässers zahlreiche Animationen wie Wasserspiele, aber auch Gesang und Musik wie aus der Peking-Oper. Es gab die Gelegenheit, Tee, Perlen oder Seide zu kaufen oder sich einfach nur darüber zu informieren, wie diese hergestellt werden.
Ein ganz besonderes Erlebnis war die Fahrt zum Huangshan Gebirge, Inspiration für Generationen von chinesischen Landschaftsmalern! Wolkenverhangene Berge, bizarre Felsformationen und vom Wind zerzauste Kiefern, Wanderwege z.T. auf in den Berg gehauenen Treppenstufen, aber auch Luxushotels, in denen man für ein Vielfaches hätte die Nacht verbringen können, was wir auch gern gemacht hätten, da der Sonnenaufgang hier oben wunderschön sein soll! Vielleicht beim nächsten Mal!
Sehr beeindruckend war auch das Museumsdorf Hongcun, einer Stätte des Unesco-Weltkulturerbes. Es war der Schauplatz für den Film „Tiger and Dragon“ (2001) von Ang Lee. Die Entstehung geht bis in die Song-Dynastie des 12.Jahrhunderts zurück. Heute wohnen noch 400 Leute im Dorf. Es gibt viele kleine Läden, in denen man Souvenirs, Antiquitäten, Kleidung kaufen kann. Eine alte Dorfschule aus dem 19. Jahrhundert hat es uns besonders angetan und zum gemeinsamen Foto auf Holzbänken eingeladen
Zwischendurch konnten wir uns immer wieder stärken: Sehr schön: chinesische Restaurants, in denen die Speisen auf einer Drehscheibe aus Glas serviert werden. Das Essen variiert stark je nach der jeweiligen Region des Landes:so bekamen wir im Süden (Hangzhou usw.) stärker gewürzte Gerichte, mehr Fisch und andere Meeresfrüchte, in Peking wiederum mehr Nudeln und auch die leckeren Jaozi, Teigtaschen, die wir in der Schule in Peking an einem der letzten Abende mit den Gastfamilien zusammen herstellen konnten.
Abschluss
Zum Abschied veranstaltete die 19.High School ein „Class Meeting“, um den Austausch besonders zu würdigen: wir tauschten Erfahrungen aus, zeigten Fotos von Berlin, um schon mal auf den Gegenbesuch im nächsten Jahr hinzuweisen, sangen uns gegenseitig Lieder vor.
Alles in allem waren es wunderschöne 3 Wochen: freundliche Begegnungen mit den Chinesen, wunderschöne Landschaften, beeindruckende Kulturdenkmäler, die sehr faszinierende chinesische Sprache und Geschichte, das gute Essen werden uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben.Vielen Dank an dieser Stelle an die Kolleginnen der Lily-Braun-Oberschule, die uns ermöglicht haben, an dieser Fahrt teilzunehmen!
Als kleines Schlusswort: Ein Kalligraf schrieb in mein Skizzenbuch: „Möge das Studium der chinesischen Kultur Euch Flügel verleihen!“
Wir danken Fr. Ben Selem für diesen Bericht.
Viele interressante Fotos der Reise finden Sie in unserer Fotogalerie.
Termine
Kooperation
Besonderheiten
„Sag es, o Weiser, wodurch du zu solchem Wissen gelangtest? Dadurch, daß ich mich nie, andre zu fragen, geschämt.“
Johann Gottfried Herder